Du möchtest Taschengeld geben? Mega!
Ich habe selbst kein Taschengeld bekommen als Kind. Zumindest nicht regelmäßig. Ich hab ab und zu Geld bekommen… wenn ich mal was brauchte und im Vergleich wenig. Und ich erinnere mich noch genau, was ich damit gemacht habe: Süßigkeiten gekauft. Sofort. Alles weg. Mit 15 oder 16 habe ich dann Taschengeld bekommen und das waren 20€ im Monat. Also relativ wenig im Vergleich zu meinen Freunden. Und das war auch immer direkt weg.
Nicht weil ich kein Gespür für Geld hatte. Sondern weil ich nie gelernt hatte, damit umzugehen.
Das wollte ich bei meinen Kindern anders machen. Also habe ich mich, bevor wir angefangen haben, natürlich auch durchgegoogelt. Tabellen, Empfehlungen, was andere Familien machen. Hier ist, was ich rausgefunden habe, und wie wir es bei uns umsetzen.
Ab welchem Alter Taschengeld?
Wir haben bei beiden Kindern mit ungefähr fünf Jahren angefangen. Also noch vor der Schule, aber schon mit einem klaren Konzept dahinter.
Die meisten Experten, darunter das Deutsche Jugendinstitut, empfehlen den Start mit der Grundschule, also ab etwa sechs Jahren. Der Gedanke dahinter: Erst dann verstehen Kinder wirklich, dass Geld begrenzt ist und eine Entscheidung bedeutet.
Ich finde fünf Jahre auch okay, wenn man es spielerisch angeht. Da ist natürlich jedes Kind individuell.
Taschengeld Tabelle nach Alter
(Richtwerte vom Deutschen Jugendinstitut. Keine Vorgabe.)
| Alter | Empfohlener Betrag |
| Unter 6 Jahren | 1,00 – 2,00 € / Woche |
| 6-7 Jahre | 2,00 – 3,00 € / Woche |
| 8-9 Jahre | 3,00 – 4,00 € / Woche |
| 10-11 Jahre | 15,00 – 25,00 € / Monat |
| 12-13 Jahre | 20,00 – 30,00 € / Monat |
| 14-15 Jahre | 25,00 – 45,00 € / Monat |
| 16-17 Jahre | 40,00 – 60,00 € / Monat * |
| ab 18 Jahre | 55,00 – 75,00 € / Monat * |
* ab 16 Jahren für Jugendliche, die wirtschaftlich noch von den Eltern abhängig sind (z.B. Schüler) Quelle: Deutsches Jugendinstitut
Warum wir mehr geben als in der Tabelle steht
Das klingt erstmal nach „großzügige Eltern“. Ist es aber nicht ganz.
Bei uns zu Hause gibt es das Vier-Spardosen-Modell: Sparen, Spenden, Ausgeben, Investieren. Das Taschengeld wird auf alle vier Töpfe aufgeteilt. Und wenn man die Tabellenwerte eins zu eins nimmt und dann noch aufteilt, bleibt im „Ausgeben“-Topf nicht mehr viel übrig. Für mich persönlich etwas zu wenig, um wirklich Entscheidungen zu treffen.
Deswegen geben wir etwas mehr. Nicht dramatisch mehr, aber genug, damit der Ausgaben-Teil sich noch nach echtem Geld anfühlt.
Der Betrag selbst ist mir dabei nicht das Wichtigste. Was wichtig ist: Das Kind hat einen festen, verlässlichen Rhythmus. Und es lernt, sein Geld einzuteilen, bevor es irgendwann mit größeren Beträgen umgehen muss.

Wöchentlich oder monatlich?
Wir haben wöchentlich angefangen und sind irgendwann auf monatlich umgestiegen.
Kleine Kinder können noch schlecht über längere Zeiträume planen. Wöchentlich gibt ihnen kürzere Zyklen, um zu spüren, wie Geld „vergeht“. Ab dem Schulalter, so grob ab zehn Jahren, macht monatlich mehr Sinn.
Das Deutsche Jugendinstitut sieht das ähnlich.
Dürfen Kinder ihr Geld für dumme Sachen ausgeben?
Ja. Unbedingt.
Das ist mir wirklich wichtig. Der Ausgaben-Topf gehört den Kindern. Sie entscheiden selbst, was damit passiert. Auch wenn ich manchmal denke: „Waaas, das kaufst du dir jetzt?“ Ist okay. Das ist ihre Entscheidung.
Genau dafür ist das Taschengeld da. Sie lernen aus eigenen Fehlkäufen viel mehr als aus meinen Ratschlägen. Und gleichzeitig weiß ich: In den anderen drei Spardosen liegt trotzdem was. Sie haben gespart, sie haben etwas gespendet, sie investieren. Das läuft unabhängig davon, ob sie ihr Ausgaben-Geld für Kaugummi, Eistee oder Sticker ausgeben.
Das gibt mir eine Ruhe, die ich ohne das Modell nicht hätte 🙂
Taschengeld kürzen, wenn das Kind etwas angestellt hat?
Nicht empfehlenswert. Machen wir bei uns nicht. Experten raten auch davon ab.
Taschengeld ist kein Belohnungssystem. Es ist ein Lernmittel. Wenn es manchmal ausbleibt, lernt das Kind vor allem: Geld ist unsicher und abhängig von anderen. Das ist das Gegenteil von dem, was wir wollen. Ich bin eh nicht so sehr für Belohnen oder Bestrafen.
Und wenn du selbst noch nicht weißt, wie du anfängst?
Dann schau mal bei millemaus vorbei. Dort gibt es Materialien und Ideen rund um finanzielle Bildung für Kinder, die das ganze Thema Finanzen ein bisschen schöner machen, damit man auch als Kind Lust hat sich mit Geld zu beschäftigen.
Kerstin
